KERATOKONUS: HALTEN WIR IHN JETZT AUF!

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Keratokonus – halten wir ihn jetzt mit den modernsten Therapien auf

HALTEN WIR IHN JETZT AUF
Dr. Alberto Bellone, Augenarzt

Keratokonus ist eine degenerative Erkrankung der Hornhaut, die im Laufe der Jahre stark beeinträchtigend werden kann. Er betrifft einen von 500 Menschen mehr oder weniger schwer, mit einer höheren Inzidenz bei Jugendlichen, Heranwachsenden und Kindern.
Wenn nicht sofort diagnostiziert oder nicht richtig behandelt, kann er zu Hornhauttransplantation führen. Es ist eine sehr schwächende Krankheit, da sie Patienten mit hoher Lebenserwartung und mit guter Sicht beeinträchtigt.

Die in Italien entwickelten modernen diagnostischen und therapeutischen Strategien helfen, die Krankheit frühzeitig zu diagnostizieren und die Evolution und die daraus resultierenden künftigen Sehschäden aufzuhalten sowie die Lebensqualität der Person zu verbessern.

Dr. Bellone, was sind die Symptome dieser Krankheit?
Die Symptome können vielfältig sein: In der Regel zeichnet sie sich durch einen allmählichen Verlust von Sehvermögen, Astigmatismus und Myopie, nächtliche Halo-Effekte und Augenreiben aus. Die Ursache der Erkrankung ist noch unklar, aber es scheint eine genetische Prädisposition zu geben (in 10 – 15 % der Fälle nachgewiesen). Innerhalb der gleichen Familie betrifft diese Krankheit die verschiedenen Mitglieder „flickenartig“, ist normalerweise beidseitig (85 %) und die Schwere kann von einer Person zur anderen variieren.

Dr. Bellone, warum sollte diese Krankheit frühzeitig diagnostiziert werden?
Keratokonus betrifft häufiger junge Menschen, Jugendliche oder Kinder. Durch die Beeinträchtigung der Personen im jungen Alter und daher mit einer langen Lebensdauer sind die sozialen Auswirkungen dieser Krankheit bedeutend.
Keratokonus reduziert die Lebensqualität und hat eine schreckliche psychologische Wirkung auf den Patienten. Wenn ich Ihnen sagen würde, dass Sie an einer Krankheit leiden, die nicht geheilt werden kann, sondern mit der Zeit immer schlimmer wird, wie würden Sie sich dabei fühlen?
Wir müssen auch den Begriff „beeinträchtigend“ klären: Ich denke, für einen jungen Patienten ist es lähmend, eine lange Reihe von Untersuchungen, Brillen, Kontaktlinsen zu beginnen, die dann keine echte Therapie sind, eine Pilgerfahrt zu verschiedenen Spezialisten, die jahrelang weitergehen kann, weil es die Lebensqualität für eine Reihe von Jahren, für zu viele Jahre, beeinträchtigt.

Was können wir dann eigentlich tun?
Zuerst legen wir den Fokus auf Früherkennung. In der Lage zu sein, den Beginn von Keratokonus im Auge eines sehr jungen Patienten zu diagnostizieren, etwa mit 12 Jahren, gibt uns einen signifikanten Vorteil gegenüber der Krankheit und wir können verhindern, dass Schäden auftreten, anstatt sich mit dem Fortschreiten abfinden zu müssen, nachdem die Erkrankung aufgetreten ist.

Ist Keratokonus schwer zu diagnostizieren? Und ist es bei jungen Personen schwieriger?
Der Vorteil ist, dass die Diagnose in einer üblichen Augenarztpraxis durchgeführt werden kann, die mit einem Hornhaut-Topographen ausgestattet ist. Das Wichtigste ist, dass der Augenarzt geschult ist, die Bilder richtig zu interpretieren, besonders während der ersten Anzeichen der Krankheit. Wie bei allen Frühdiagnosen können effiziente Instrumentierung und geschulte Betreiber einen großen Unterschied machen.
Deshalb ist es wichtig, dass die Patienten Zugang zu spezialisierten Zentren für die Diagnose und Behandlung von Keratokonus erhalten, um Fehlinterpretationen und Therapieberatung mit falschen Diagnosen zu vermeiden.

Was ist die beste Therapie bei der Diagnose Keratokonus?
Ich würde nicht sagen, die beste Therapie, sondern eine Reihe von Therapien, die richtig angewendet das bestmögliche Ergebnis für den Rahmen des einzelnen Patienten liefern können. Wir müssen die Waffen, die wir zur Verfügung haben, gut nutzen.
Iontophoretische transepitheliale Hornhautvernetzung ist definitiv eine der besten Waffen, die wir zur Verfügung haben, um Keratokonus aufzuhalten.

Ist die Vernetzungsbehandlung schmerzhaft?
Nein, es ist eine schmerzlose Therapie und die Behandlungszeiten wurden durch die Perfektionierung einer erfolgreichen Methode, die bereits weit verbreitet ist, deutlich verkürzt.
Dabei erfolgt eine Absorption des Medikaments, des Riboflavins oder des Vitamins B2 im Inneren des Augengewebes mittels elektrischem Strom bei niedriger Spannung für 5 Minuten.
Die Verwendung von elektrischem Strom, ermöglicht zum ersten Mal bei einem medizinischen Eingriff, eine sehr hohe Konzentration des Medikaments in der Hornhaut zu erzielen.
Durch Iontophorese kann das Medikament aktiv durch das Gewebe aufgenommen werden, also dem Strom folgend, der es wie ein Zug transportiert, der eine Last befördert. Der elektrische Strom macht es effektiver: Die Absorption des Medikaments wird viel schneller und effektiver und die Zeit wird stark reduziert, es dauert nur 5 Minuten.
Nach der Absorption folgt eine Phase der Bestrahlung der Hornhaut mit UV-Strahlen für 9 Minuten.
Die Kombination von Riboflavin und ultravioletten Strahlen (sowohl natürlich als auch in der Natur vorhanden) verursacht eine Kettenreaktion innerhalb der Hornhaut, die zur Bildung von neuem Hornhautkollagen führt, das gesund und nicht degeneriert ist wie die von Keratokonus beeinträchtigte Hornhaut.
Die Vernetzungsbehandlung dient dazu, eine neue Hornhaut-Bindegewebsmatrix zu schaffen, die stabiler und funktioneller ist, als die der erkrankten Hornhaut. Es ist ein Verfahren ohne Gegenanzeigen, das wiederholbar ist und in einer Klinik für Augenheilkunde durchgeführt wird. Das Endergebnis ist wirklich optimal, sodass es auch bei Kindern angewendet werden kann.

Gibt es noch andere Behandlungsmöglichkeiten neben Vernetzung und Iontophorese?
Vernetzung ist nur eine der Möglichkeiten, die dem Augenarzt zur Verfügung stehen. Ihre Funktion ist es, das Fortschreiten der Erkrankung zu stoppen, aber sie wirkt nur minimal auf Sehstörungen: Wenn ein Patient aufgrund einer Keratokonusbrille kurzsichtig und astigmatisch geworden ist, kann man dies nach der Vernetzung nicht beseitigen.

Ist es also möglich, in manchen Fällen die Notwendigkeit einer Brille zu beseitigen?
In den vergangenen 20 Jahren haben wir eine chirurgische Technik entwickelt, die eine Umkehrung des Keratokonus zu einem früheren Stadium ermöglicht und so die Sehstörungen bei der Beseitigung von Brillen in den günstigsten Fällen verbessert.
Die Technik der Implantation von intrastromalen Ferrara-Hornhautringen erfolgt ambulant mit Oberflächenanästhesie durch Tropfen. Der Patient geht sofort nach der Operation nach Hause und kann bereits am nächsten Tag ein ganz normales Leben beginnen.
Das Einsetzen der Ringe kann mit Hilfe eines Femtosekunden-Lasers durchgeführt werden, das ist ein Laser, der transparentes Gewebe mit einer Lichtklinge schneiden kann, die von einer Software geführt wird, die jede
Anordnung im Hornhautgewebe erzeugen kann. Natürlich muss auf das Einsetzen von intrastromalen Hornhautringen eine Vernetzungsbehandlung folgen. Die beiden Techniken unterstützen sich gegenseitig und liefern optimale Ergebnisse, wenn sie von hoch spezialisiertem Personal durchgeführt werden.

Die neueste Ergänzung ist der 340°-Ring, der für den Nippel-Keratokonus bedeutungsvoll ist, von dieser habe ich das erste Implantat in Italien durchgeführt. Es ist ein bis auf 20° beinahe vollständiger Ring, der durch diese Beschaffenheit in einen Tunnel der Hornhaut eingesetzt werden kann, der zuvor mit einem Femtosekunden-Laser geschaffen wurde.

Es gibt auch Patienten, die schwere Myopie oder Astigmatismus haben. Gibt es derzeit keine Optionen für diese?
Es wurde eine sehr interessante Technik entwickelt, die gerade den Fällen von Keratokonus vorbehalten ist, die von starker Myopie und Astigmatismus begleitet sind, die seit langem stabil sind. In diesen Fällen werden ICL-Phakic-Linsen implantiert, spezielle Intraokularlinsen, die nicht entfernt werden müssen und ihre Funktion für das ganze Leben effektiv ausführen können.

Haben Sie noch Fragen? Schreiben Sie uns , Danke!